Bautzen und Umgebung

Bautzner Umland: Barockschloss & Schlosspark Gaußig, Ort Gaußig

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Gaußig (altsorbisch guska = Gänschen) ist ein ehemaliges Gutsdorf mit Schloss, Kirche, Friedhof und Erbgericht (heute Parkgaststätte). Der Schlosspark Gaußig gehört zu den bedeutendsten Parkanlagen Sachsens.

Schloss Gaußig

Bild: Schloss Gaußig - Westseite mit Haupt­eingang


Schloss Gaußig ging aus einem in den Jahren vor 1713 errichteten Barockschloss hervor. Der bedeutende sächsische Baumeister Christian Friedrich Schuricht (1753-1832), der unter anderem das Neue Palais von Schloss Pillnitz entwarf, baute Schloss Gaußig um 1800 in einem klassizistischen (palladianischen) Stil um. Die Architektur dieses Gebäudes, das über ein Kellergeschoss und zwei Geschosse mit drei Risaliten verfügt, erinnert an den englischen Schlossbaustil jener Zeit. Das Mansarddach mit Schieferdeckung stammt aus der Zeit um 1870.

Parkseite von Schloss Gaußig

Bilder: Schloss Gaußig - Ansicht von Osten (Parkseite)


An der Nordseite des Schlosses ist eine Kapelle in einem eigenartigen romanisch-byzantinischen Stil angebaut.

Schlosskapelle Schlosskapelle
Das Schloss besaß eine Innenausstattung im Empirestil. Im Erdgeschoss befanden sich der Spiegelsaal mit Hermenpilastern, der Speisesaal mit Landschaftsbildern von Johann Christian Klengel und das Jagdzimmer mit Kamin. In der Zeit der DDR nutzte die Technische Universität Dresden das Gebäude als Erholungs- und Schulungsheim. Heute befindet es sich in Privatbesitz.

Plan von Park GaußigPark Gaußig
Vom Schloss nach Süden erstreckt sich der 28 ha große, garten­künstlerisch bedeutende Park. Er begann mit einem in der Mitte des 18. Jahrhunderts von Johann Christoph Knöffel am Schloss angelegten Barockgarten (französischen Garten). Der nahe gelegene kreisförmige Pavillon entstand in der Zeit um 1770. Ab 1792 wurde die Anlage stark erweitert und mit zahlreichen einheimischen und fremdländi­schen Gehölzarten im Stil eines englischen Land­schaftsparks mit Wegen, Wiesen, Baumgruppen, Rhododendron- und Azaleenpflanzungen, Bachläufen und dem Schwanenteich sowie geschlossenem Hochwald gestaltet.
Der gegenüber der Dorfstraße stehende quadratische Pavillon mit reicher Bogenarchitektur kam um 1800 hinzu. Im Süden des Parks schließt sich höher gelegener Bergwald an.

In der Parkanlage leben zahlreiche Arten von Park- und Waldvögeln wie Gimpel, Baumläufer, Kleiber, Singdrossel, Rotkehlchen und Buntspecht. Unter den Insektenarten ist der seltene Hirschkäfer zu erwähnen.

Parkfriedhof
ParkfriedhofAuf dem romantischen Parkfriedhof befinden sich Grabstätten der einst auf Schloss Gaußig residierenden Familie Schall-Riaucour (im Bild links der Grabstein von Carl Borromaeus Andreas Reichsgraf Schall-Riaucour - siehe Grabinschrift unten, im Bild rechts der Grabstein von Gräfin Marie Schall-Riaucour (1841-1908)
Grabinschrift

Bild: Inschrift auf dem Grabstein von Carl Borromaeus Andreas Reichsgraf Schall-Riaucour


Aus der Ortsgeschichte von Gaußig

Der Ort Gaußig ist am Südrand des Lausitzer Altsiedellandes gelegen, dort, wo das Lausitzer Gefilde in den Gebirgswald übergeht. Wegen der geschützten Lage, die ein günstiges Lokalklima bewirkt, und der waldreichen Landschaft mit sanft bewegtem Relief ist diese Gegend als Erholungsgebiet geschätzt.

Das Siedlungsgebiet von Gaußig findet bereits in der Oberlausitzer Grenzurkunde von 1241 Erwähnung (konkret der Ortsteil Günthersdorf). Die Siedlung wird darin als zum Burgward Sizen (Seitschen) gehörend beschrieben (damals dem König von Böhmen unterstellt). Ein Gaußiger Herrensitz erscheint erstmals im Jahr 1245 in den Urkunden. Damals war Reinardus de Guzich Herr über zahlreiche sorbische Bauern. Mit ihm wurde Gaußig zum Stammsitz eines der ältesten Oberlausitzer Adelsgeschlechter. Von 1284 bis 1312 amtierte Reinerus de Guck (Guzick) als Landvogt in Bautzen. Die Adelsfamilie Guzick lebte nachweislich noch bis 1466 in Gaußig.

Ein Rittergut, an das die Bewohner des Ortes und der umliegenden Dörfer Abgaben zu leisten hatten, ist seit 1409 bekannt. Im Jahr 1548 ließ sich die Familie von Haugwitz ein neues Herrenhaus bauen, nachdem das alte Gutshaus im Jahr 1537 abgebrannt war.

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) flohen zahlreiche Gaußiger Bauern vor der bedrückenden Gutsherrschaft in die zum Amt Stolpen (Kurfürstentum Sachsen) gehörenden benachbarten Dörfer. Andere Bauern kämpften zwischen 1651 bis 1686 vor Gericht gegen die Abgabenlast, unterlagen aber und wurden weitgehend ruiniert. Im 18. Jahrhundert bezogen die Gutsherren ihre Einnahmen nur noch von Tagelöhnern (wie es zu jener Zeit auch sonst in der Oberlausitz häufig der Fall war). In Gaußig lebten damals ca. 30 Häusler und 5 Gärtner, aber keine Bauern mehr.

In den Jahren vor 1713 wurde der Herrensitz Gaußig in ein Barockschloss umgebaut. Von 1747 bis 1750 befand es sich im Besitz des sächsischen Premierministers Graf Heinrich von Brühl.

Die Gaußiger Gutsherren verarmten zunehmend und mussten ihren Besitz schließlich im Jahr 1766 verkaufen - an Peter Riaucour (geb. 1693 in Warschau als Sohn eines Lothringers), einen Bankier im Dienste des sächsischen Kurfürsten, der im Jahr 1745 den Freiherrenstand erlangt hatte. Dieser zahlte 100.000 Taler für die Herrschaft Gaußig und weitere 8 Güter der Umgebung. Der Marktflecken Gaußig durfte ab jenem Jahr 1766 jährlich zwei Jahr- und Viehmärkte abhalten (Jahrmarkt noch bis 1963). Der Sohn von Peter Riaucour erwarb zwischen 1770 bis 1779 zwanzig weitere Güter verarmter Adliger (für mehr als 200.000 Taler). Nachdem seine Tochter und Erbin im Jahr 1794 den rheinländischen Grafen Carl Theodor von Schall geheiratet hatte, nannte sich die ehemals bürgerliche, nun gräfliche Familie Schall-Riaucour.

Die erste Gaußiger Schule befand sich in einem kleinen Haus neben der Kirche und Pfarre. Um 1900 bezog sie ein größeres Gebäude an der Straße nach Seitschen.

Zu den wenigen Gewerbebetrieben des Ortes gehörte die im Jahre 1826 von Friedrich Ehrenreich Fischer gegründete Töpferei (noch in der Zeit der DDR als Familiebetrieb fortgeführt).

Nach dem ersten Weltkrieg erfuhr das kleine Gutsdorf eine starke Erweiterung, vor allem im Dreieck zwischen Friedhof, Rieglitztal und der Straße zum Bahnhof Seitschen. Die Eingemeindungen von Günthersdorf (1935) und Golenz (1936) ließ die Gemeinde weiter wachsen.

Der Rittergutsbesitzer (Majoratsherr) verfügte zuletzt über 12 Rittergüter mit 3.433 ha Landwirtschaftsfläche. Bei der Bodenreform im Jahr 1945 wurde der Grundbesitz enteignet und an 185 landlose Bauern, 244 landarme Bauern, 308 Kleinpächter, 34 Umsiedler und 214 Kleinsiedler übergeben. Die bedeutende Gaußiger Schlossbibliothek ("Aufklärungsbibliothek" mit ca. 6.000 Bänden) wurde zusammen mit den in den Schlossräumen vorgefundenen Kunstgegenständen verstaatlicht und nach Dresden überführt.

Das ehemalige Rittergut führte man zunächst als Staatsgut, dann als Volksgut (VEG) für Tierzucht fort - mit Betriebsteilen in Demitz-Thumitz und Preuschwitz. Auf den Agrarflächen um Gaußig betrieb die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Göda Pflanzenbau. In den Gutsgebäuden richtete man Wohnungen und eine Werkstatt für Landtechnik ein. Die frühere Schlossgärtnerei wurde nun von einem Gartenbaubetrieb bewirtschaftet.

Mit den Eingemeindungen von Zockau (1950) sowie im Jahr 1974 von Diehmen (mit Neudiehmen), Dretschen (mit Arnsdorf) und Drauschkowitz (mit Brösang, Katschwitz und Neudrauschkowitz) entwickelte sich Gaussig zu einer bedeutenden Landgemeinde des Kreises Bautzen.

Kirche Gaußig

Gaußiger Kirche 
Die zweigeschossige, reich gegliederte Gaußiger Kirche entstand in den Jahren 1873/74 nach Plänen des Zittauer Architekten Karl August Schramm. Vom Vorgängerbau blieben Teile des Turmes aus der Zeit um 1792 erhalten.

Bereits kurz nach 1200 gab es an diesem Ort ein Gotteshaus, das als Filialkirche von Göda diente. Im Jahr 1376 wird ein Gaußiger Pfarrer erwähnt. Die Gaußiger Kirchgemeinde musste aber weiterhin jährlich 20 böhmische Groschen dem Pfarrer von Göda zahlen. Als die Gaußiger Gutsherrschaft im Jahr 1619 das Patronatsrecht erlangte, erhielt der Ort erstmals einen evangelischen Pfarrer.
Gaußiger Kirche
Innenausstattung der Gaußiger Kirche
Die klassizistische Innenausstattung der Kirche erfuhr in den Jahren 1973/74 eine umfassende Sanierung. Der neu gestaltete Chor wurde mit (aus der Kirche Leipzig-Schönefeld stammender) Malerei von Prof. Jäger und einem modernen Kruzifix von Hans Adolph (einem Künstler aus Burg bei Magdeburg) geschmückt.
Altar der Gaußiger Kirche
Orgel der Gaußiger Kirche Nebenaltar der Gaußiger Kirche
Der gotische, aus der Zeit um 1480 stammende Flügelaltar (Bild rechts) befand sich ursprünglich in der Gaußiger Kirche, dann in der Schlosskapelle. Heute ist er wieder in der Kirche zu sehen.

Auf dem von der Kirche etwas entfernt gelegenen Friedhof befindet sich das Grab des bedeutenden, in der Fachwelt hoch anerkannten Entomologen und Botanikers Michael Rostock (geb. 1821 in Ebendörfel, gest. 1893 in Gaußig).

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